Zwar notiert der Goldpreis trotz der jüngsten Erholung noch immer rund 1.240 Dollar unter dem Rekordhoch von 5.595 Dollar je Unze am 29. Januar; im Vergleich zum Vorjahr kommt das Edelmetall aber immer noch auf ein beachtliches Plus von etwa 30 Prozent.

Auffällig ist vor allem, dass sich der Goldpreis trotz der zuletzt wieder verschärften Lage im Nahen Osten und der damit einhergehenden gestiegenen Ölpreise recht gut behaupten kann. Denn seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar gingen steigende Energiepreise regelmäßig mit Belastungen für das Edelmetall einher. Grund: Höhere Ölpreise schürten die Inflationserwartungen und damit zugleich die Aussicht auf höhere Zinsen. Das machte Gold als unverzinsliche Anlage im Vergleich zu verzinsten Investments weniger attraktiv.

Eine Zinserhöhung bei der nächsten Fed-Sitzung am 16. September wird am Terminmarkt inzwischen aber nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent eingepreist. Ein wichtiger Grund: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft sank im Juli um 23.000, während vorab ein Zuwachs von 80.000 erwartet worden war. Zudem wurden die Beschäftigungszahlen für Mai und Juni deutlich nach unten revidiert – summa summarum um mehr als 100.000 Stellen. Die schwachen Arbeitsmarktdaten stützen Gold, da sie der US-Notenbank Fed Spielraum für einen lockereren geldpolitischen Kurs geben.

Gold mit langfristigem Renditevorteil

Auch die Inflationsdaten erwiesen sich nicht als Belastungsfaktor – und dies, obwohl die Verbraucherpreise zuletzt um 3,4 Prozent und die Erzeugerpreise um 4,7 Prozent zulegten. Damit liegt die Inflation zwar weiterhin über dem angestrebten Wert der Fed in Höhe von rund 2 Prozent, auf der anderen Seite liegen die präsentierten Werte aber jeweils im Rahmen oder unter den Erwartungen. In der Folge sank die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen seit den Höchstständen Ende Juli um rund 20 Basispunkte.

Gold kann mehr als Rendite

Gold profitiert indes nicht nur von den veränderten Zinsaussichten. Denn es nimmt unter den Rohstoffen eine Sonderstellung ein. Zwar handelt es sich auch bei Gold um einen Rohstoff, doch seine besonderen Eigenschaften machen das Edelmetall zu einem eigenständigen Anlagebaustein. Gold kann zur Diversifikation beitragen, als Schutz vor Inflation dienen und über verschiedene Phasen des Konjunkturzyklus stabilisierend wirken.

Die Unterschiede zu klassischen Rohstoffen zeigen sich auch bei der Wertentwicklung. Gold hat sich nicht nur in Krisenzeiten bewährt, sondern über lange Zeiträume auch unabhängig vom Konjunkturzyklus positive Renditen erzielt. Über 20 Jahre erzielte Gold laut World Gold Council mit einer jährlichen Rendite von 9,9 Prozent die beste Wertentwicklung unter sämtlichen betrachteten Rohstoffsegmenten.

Ein weiterer Vorteil ist die enorme Liquidität des Goldmarktes. An den globalen Terminmärkten werden täglich durchschnittlich rund 186 Milliarden Dollar umgesetzt, allein an der US-Terminbörse COMEX waren es in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 53 Milliarden Dollar pro Tag. Hinzu kommen etwa 180 Milliarden Dollar tägliches Volumen im außerbörslichen Handel. Auch physisch besicherte Gold-ETFs erfreuen sich hoher Liquidität und kommen auf durchschnittlich 7,2 Milliarden Dollar Tagesumsatz. Die hohe Markttiefe macht das Edelmetall damit auch für institutionelle Anleger attraktiv: Selbst umfangreiche Positionen lassen sich auf- und abbauen, ohne dass dadurch zwangsläufig größere Preisbewegungen ausgelöst werden.

Gold gehört in jedes gut aufgestelltes Portfolio – und zwar aus guten Gründen

Unabhängig davon bleibt Gold aufgrund seines eigenen Risikoprofils ein wichtiger Baustein für die Portfoliokonstruktion. Es kann nicht nur zur Diversifikation beitragen, sondern auch die Stabilität eines Portfolios erhöhen und die risikobereinigte Rendite optimieren. Laut World Gold Council hätte Gold nicht nur die absolute Rendite eines klassischen Mischportfolios erhöht, sondern zugleich dessen Schwankungsrisiko reduziert, weist Gold doch häufig eine geringe Korrelation zu Aktien, Anleihen und anderen Rohstoffen auf und kann dadurch Risiken im Gesamtportfolio abfedern.