Gold-Comeback! Nach einem schwachen Jahresauftakt haben die Zentralbanken ihre Goldkäufe im zweiten Quartal wieder kräftig ausgeweitet. Zwischen April und Ende Juni stockten die Notenbanken ihre Reserven um insgesamt rund 289 Tonnen Gold auf. Im ersten Quartal waren es lediglich 57 Tonnen gewesen.
Polen und China sind die größten Gold-Fans
Doch welche Rolle spielten und spielen die Notenbanken überhaupt für den Goldpreis? Fakt ist: Seit 2010 treten die Zentralbanken per Saldo als Käufer des Edelmetalls auf. Daten des World Gold Councils zufolge haben die Notenbanken allein in den vergangenen vier Jahren durchschnittlich rund 1.000 Tonnen Gold jährlich erworben.
Angeführt wird die Käuferliste aktuell von der polnischen Notenbank. Das Land erhöhte seine Goldreserven im zweiten Quartal um 51 Tonnen auf insgesamt 632 Tonnen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die polnische Zentralbank zu den aktivsten Käufern am internationalen Goldmarkt gezählt. Auch China setzte seine langfristige Strategie fort und baute seine Bestände um 33 Tonnen auf nun rund 2.346 Tonnen aus.
In Deutschland blieben die Veränderungen hingegen vergleichsweise gering. Die Deutsche Bundesbank reduzierte ihre Reserven um etwa eine Tonne Gold, das für die Prägung von Goldmünzen verwendet wurde. Mit einem Bestand von rund 3.350 Tonnen verfügte die Bundesrepublik Ende 2025 weiterhin über die zweitgrößten Goldreserven der Welt – lediglich die USA halten noch größere Bestände.
Zentralbanken setzen weiterhin auf Gold
Die Nachfrage im zweiten Quartal unterstreicht die anhaltend hohe Bedeutung von Gold als strategischer Reservewert. Trotz Preisschwankungen setzen zahlreiche Zentralbanken weiterhin auf das Edelmetall, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren, aber auch, um sich gegen geopolitische sowie wirtschaftliche Unsicherheiten abzusichern. Denn Gold gilt als krisenfester Wertspeicher und bietet den Zentralbanken eine größere Unabhängigkeit als andere Reserveanlagen.
Dass diese Strategie inzwischen weltweit an Bedeutung gewinnt, zeigt auch ein Blick auf die Zusammensetzung der offiziellen Währungsreserven: Nach Angaben der Europäischen Zentralbank entfielen Ende vergangenen Jahres rund 27 Prozent der offiziellen Reserveanlagen auf Gold; US-Staatsanleihen kamen dagegen nur noch auf einen Anteil von 22 Prozent. Und: Eine nachhaltige Trendwende ist zwar durchaus möglich, doch allzu wahrscheinlich erscheint dieses Szenario derzeit nicht, im Gegenteil.
Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council deutet darauf hin, dass sich dieser Trend sogar weiter verstärken dürfte. 45 Prozent der befragten Zentralbanken erwarten, ihre Goldreserven innerhalb der kommenden zwölf Monate weiter auszubauen. Lediglich ein Prozent rechnet mit einer Reduzierung der Bestände. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt hat: Während 2019 lediglich acht Prozent der Zentralbanken eine Aufstockung ihrer Goldreserven planten, waren es 2020 bereits 20 Prozent und 2025 schließlich 43 Prozent.
Gold gewinnt als Reservewert an Bedeutung
Noch vor wenigen Jahren galt Gold für viele Notenbanken eher als Relikt vergangener Währungssysteme. Inzwischen hat sich die Sichtweise aber drastisch verändert. Immer mehr Notenbanken betrachten das Edelmetall als wichtigen Baustein ihrer Reservepolitik. In der jüngsten Umfrage stuften 75 Prozent der Zentralbanken, die ihre Goldbestände separat verwalten, Gold als strategische Reserve ein. Nur 44 Prozent sehen darin vor allem ein historisches Erbe. Noch 2024 hatten lediglich 64 Prozent Gold als strategisches Asset bezeichnet, während 62 Prozent den historischen Charakter betonten.
Dass Gold an Bedeutung gewonnen hat, kommt natürlich nicht von ungefähr, punktet das Edelmetall doch mit einigen besonderen Eigenschaften: Es besitzt kein Gegenparteirisiko. Ein Großteil der weltweiten Währungsreserven besteht aus Fremdwährungen und Staatsanleihen – insbesondere US-Bonds, britischen Gilts oder Eurobonds. Diese Anlagen sind zwar hoch liquide und ermöglichen es Zentralbanken, internationale Zahlungen abzuwickeln oder Schulden zu bedienen. Ihr Wert hängt aber von der Bonität des jeweiligen Schuldners ab.
Und: Gerade in wirtschaftlich oder geopolitisch turbulenten Phasen zeigt sich ein weiterer besonderer Wert des Edelmetalls. Gold kann unabhängig von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners jederzeit mobilisiert werden und verschafft Zentralbanken damit zusätzliche Handlungsfreiheit. Die veränderte Haltung der Währungshüter dürfte den Goldmarkt deshalb auch langfristig prägen. Gold entwickelt sich zunehmend zu einem tragenden Pfeiler moderner Reservepolitik und dürfte auch in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle im globalen Finanzsystem spielen.