Kein guter Monat – zumindest nicht für diejenigen, die auf einen steigenden Goldpreis gehofft hatten. Immerhin gab der Kurs des Edelmetalls im September um rund sechs Prozent nach. Allein am vergangenen Montag verlor die 31,1 Gramm schwere Feinunze rund vier Prozent und fiel auf 4.110 Dollar je Unze, und somit auf den niedrigsten Stand seit Anfang August. Noch vor wenigen Wochen hatten sinkende Ölpreise und Hoffnungen auf eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran den Inflationsdruck gedämpft und Gold zeitweise gestützt.

Gegenwind aus mehreren Richtungen

Derzeit wirken gleich mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf das Edelmetall. Der Markt rechnet inzwischen wieder stärker mit weiteren Zinserhöhungen in den USA, nachdem die US-Notenbank den Leitzins im September bereits um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben hat. Für die nächste Sitzung Ende Oktober wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent für eine weitere Erhöhung eingepreist.

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen klettert zwischenzeitlich mit rund 5,3 Prozent auf den höchsten Stand seit Juni 2007. Die Rendite 30-jähriger Treasuries stieg sogar über 5,6 Prozent – und damit auf ein Niveau, das zuletzt im Juni 2002 erreicht worden war. Für Gold, das keine laufenden Erträge abwirft, wird das zunehmend zum Problem: Je attraktiver die Renditen von US-Staatsanleihen, desto höher die Opportunitätskosten einer Goldanlage.

Zugleich bleibt der Ölpreis ein wichtiger Impulsgeber für die weitere Entwicklung. Brent ist zwischenzeitlich auf über 107 Dollar je Barrel gestiegen und lag damit auf Schlagdistanz zu den jüngsten Hochs. Hintergrund sind die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie die damit verbundene Unsicherheit über die weitere Ölversorgung.

Geopolitische Risiken helfen Gold diesmal nicht

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die geopolitischen Konflikte, die Gold normalerweise als sicheren Hafen stützen, derzeit kaum Wirkung entfalten. Der Konflikt zwischen den USA und Iran treibt den Ölpreis nach oben und erzeugt damit einen geldpolitischen Gegeneffekt, der den klassischen Safe-Haven-Effekt überlagert. Ein steigender Ölpreis nährt Inflationssorgen, höhere Inflationserwartungen treiben die Renditen und steigende Renditen erhöhen wiederum die Attraktivität von festverzinslichen Anlagen gegenüber Gold.

Auch der Dollar profitiert von diesem Umfeld. Der Dollar-Index notiert nahe dem Zweimonatshoch und steuert im September auf seinen stärksten Monatsgewinn seit Juni zu. Steigende US-Renditen machen Anlagen in Dollar attraktiver und ziehen Kapital in die US-Währung an. Zugleich verteuert ein stärkerer Dollar Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums und dämpft damit tendenziell die Nachfrage. 

Fragt sich, ob die aktuelle Schwäche einen langfristigen Trendbruch darstellt. Derzeit spricht mehr für eine Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends als für einen bereits bestätigten Richtungswechsel. Dafür spricht auch, dass die strukturelle Nachfrage nach Gold weiterhin sehr stark ist.

Der doppelte Effekt der Schulden

Physisch hinterlegte Gold-ETFs verzeichneten im August weltweit Zuflüsse von 18 Milliarden Dollar. Die Bestände stiegen um 121 Tonnen auf ein Mehrjahreshoch von 4.189 Tonnen. Auch die Zentralbanken blieben mit einem Nettozukauf von 345 Tonnen im ersten Halbjahr ein wichtiger struktureller Käufer. 

Gegen einen nachhaltigen Richtungswechsel spricht zudem ein Faktor, der kurzfristig kaum sichtbar ist, langfristig aber an Bedeutung gewinnen könnte: die ausufernde Staatsverschuldung. Vor allem die USA stehen vor einer enormen fiskalischen Herausforderung. Bei einer US-Gesamtverschuldung von über 40 Billionen Dollar haben die Netto-Zinsausgaben inzwischen die historische Marke von einer Billion Dollar pro Jahr durchbrochen.

Damit ist der Schuldendienst mittlerweile einer der größten Posten im US-Haushalt und bewegt sich in der Größenordnung der Verteidigungsausgaben. Die Staatsverschuldung kann Gold derzeit somit paradoxerweise auf zwei entgegengesetzte Arten beeinflussen: Kurzfristig belastet sie das Edelmetall, weil die hohe Anleiheausgabe die Renditen nach oben treibt. Langfristig könnte genau dieselbe Verschuldung Gold stützen, wenn Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen wachsen.

Gold steht kurzfristig unter Druck – doch die strukturellen Treiber bleiben intakt. Hohe Renditen und ein starker Dollar bremsen das Edelmetall, während Schulden, Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse langfristig für Nachfrage sorgen dürften. Die aktuelle Korrektur könnte damit eher ein Stresstest als das Ende der langfristigen Goldrally sein.