Der Goldpreis war auf dem besten Weg, im August mit einem Plus von rund 15 Prozent den stärksten Monatsanstieg seit 1999 zu verbuchen, wäre da nicht Kevin Warsh gewesen, der wenige Tage vor dem Monatsende für schlechte Stimmung sorgte. Auf seiner viel beachteten Rede beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole rückte der Fed-Chef die Bekämpfung der Inflation in den Vordergrund und schürte damit Erwartungen an einen ‌baldigen Zinsschritt. Am Terminmarkt stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung am 16. September auf rund 60 Prozent, nachdem sie zuvor unter 40 Prozent gelegen hatte. Und der Goldpreis? Der legte im August trotzdem noch um rund 10 Prozent zu.

Zuvor profitierte das Edelmetall von der stetig steigenden US-Staatsverschuldung, die zwischenzeitlich erstmals die Schwelle von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Setzt sich der aktuelle Verschuldungstrend fort, könnten die Verbindlichkeiten schon 2029 auf 50 Billionen Dollar steigen. Eine bemerkenswerte Entwicklung, ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Vereinigten Staaten ihr 250-jähriges Bestehen feiern. Zugleich gehören die Zinsausgaben inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Posten im US-Haushalt: In diesem Jahr dürften sie sich auf etwa 1,1 Billionen Dollar belaufen – fast dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren.

Die Rückkehr des „Debasement Trade“

Den entscheidenden Impuls für den deutlichen Anstieg des Goldpreises im August gab die Ankündigung des US-Finanzministeriums, das maximale Volumen seiner Rückkäufe von US-Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von zehn bis 30 Jahren mindestens zu verdoppeln. Damit will die US-Regierung die Renditen drücken und so den Schuldendienst günstiger machen. Zwischen dem 9. September und dem 4. November soll das maximale Volumen je Rückkauf von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar steigen.

Nach der Ankündigung fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um rund sechs Basispunkte auf 4,65 Prozent, 30-jährige Treasuries gaben sogar um knapp zehn Basispunkte auf rund 5,19 Prozent nach. Auch der Dollar verlor an Wert. Beides spielt dem Goldpreis in die Karten: Die niedrigeren Renditen schmälern die relative Attraktivität von US-Staatsanleihen zum zinslosen Gold, während die schwächere US-Währung das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollarraums attraktiver macht.

Die Versuche, die Finanzierungskosten durch direkte Eingriffe zu beeinflussen, nähren die Sorge, dass die US-Politik das Vertrauen in den Dollar noch weiter untergraben und alternative Anlageklassen attraktiver machen könnte. Damit rückt erneut der sogenannte „Debasement Trade“ in den Fokus – die Wette auf eine schleichende Entwertung der Währung. Hinter diesem Anlage-Narrativ, das schon im vergangenen Jahr maßgeblich zum Anstieg des Goldpreises um rund 65 Prozent beigetragen hatte, steht im Kern eine Wette gegen die Kaufkraft des Dollars: Hoch verschuldete Staaten, allen voran die USA, können ihre gewaltigen Schuldenberge kaum allein durch Wirtschaftswachstum und Haushaltsdisziplin abbauen. Stattdessen besteht der Anreiz, die reale Schuldenlast über eine schleichende Währungsentwertung zu verringern – allen voran durch eine etwas höhere Inflation.

Investoren greifen wieder zu

Gold lässt sich dagegen nicht per Knopfdruck vermehren. Genau diese Knappheit macht das Edelmetall in einem Umfeld hoher Staatsverschuldung und sinkender Realzinsen für Anleger besonders attraktiv. Entsprechend zieht die Nachfrage nach Gold wieder an, wobei Kapital zunehmend aus Anleihen in das Edelmetall fließt. In der Folge legte die Goldnachfrage durch physisch besicherte Fonds zwischen Juli und Mitte August um etwa 68 Tonnen zu. Damit floss in nur sechs Wochen fast viermal so viel Gold in diese Anlagevehikel wie im gesamten ersten Halbjahr zusammen. Dabei hatten die Fonds in drei der sechs Monate noch Nettoabflüsse verzeichnet. 

Auch Notenbanken setzen auf weiterhin auf Gold, um ihre Währungsreserven unabhängiger vom Dollar zu machen. Jüngstes Beispiel: Die Bank of Korea hat erstmals seit 13 Jahren wieder in Gold investiert. Im zweiten Quartal 2026 erwarben die Währungshüter 679.765 Anteile des SPDR Gold Shares im Wert von rund 250 Millionen Dollar. Auf Basis der je Anteil verbrieften Goldmenge entspricht dies einem Volumen von rund 62.000 Feinunzen beziehungsweise etwa 1,9 Tonnen.