Was für ein starker August. Immerhin hat Gold im vergangenen Monat um rund 13 Prozent auf 4.563 Dollar je Feinunze zugelegt und damit den drittstärksten Monatsanstieg innerhalb der vergangenen 25 Jahre verzeichnet. Die Aufwärtsbewegung erstreckte sich zudem über verschiedene Währungen hinweg.
Zuletzt geriet der Goldpreis allerdings ein wenig unter Druck, nachdem die Spekulationen auf höhere Zinsen zugenommen haben – allen voran in den USA. Steigende Renditen erhöhen die Opportunitätskosten des renditelosen Edelmetalls und machen es gegenüber Zinsanlagen weniger attraktiv. Dennoch scheint das Abwärtspotenzial begrenzt zu sein. Die anhaltend hohe Nachfrage von Anlegern und Zentralbanken spricht dafür, dass Rücksetzer weiterhin auf Kaufinteresse stoßen dürften. Im August verzeichneten die weltweiten physisch hinterlegten Gold-ETFs einen massiven Kapitalzufluss von 18 Milliarden Dollar. Dies entspricht laut den aktuellen Daten des World Gold Council dem zweitgrößten monatlichen Zuwachs in der Geschichte dieser Produkte.
Zugleich stocken die Zentralbanken ihre Goldreserven weiter auf. Nach einem Rückgang in der Anfangsphase des Iran-Konflikts haben sich die Netto-Goldkäufe der Zentralbanken kräftig erholt. Im zweiten Quartal erreichten die Volumina wieder das durchschnittliche Niveau der Jahre 2022 bis 2025. Im Juli kauften die Notenbanken weltweit netto 23 Tonnen Gold. Für den August liegen die vollständigen globalen Gesamtpakete noch nicht abschließend für alle Länder vor, es zeichnet sich aber eine Fortsetzung der starken Dynamik ab.
China setzt verstärkt auf Gold statt US-Staatsanleihen
Bei den Käufern dominieren bislang vor allem Länder, die bereits in den vergangenen Jahren aktiv waren. Bemerkenswert ist vor allem China. Nachdem die chinesische Zentralbank zwölf Monate lang vergleichsweise moderate Mengen von ein bis zwei Tonnen Gold pro Monat gekauft hatte, beschleunigte sie ihre Käufe seit März. Im August meldete sie einen Zuwachs ihrer Goldreserven um 20,2 Tonnen – den größten monatlichen Anstieg seit Oktober 2023.
Parallel dazu hat das Reich der Mitte sein Engagement in US-Staatsanleihen weiter reduziert. Ende Juni beliefen sich die Bestände auf 633 Milliarden Dollar. Damit lagen sie sieben Prozent unter dem Jahresanfang und somit auf dem niedrigsten Stand seit Ende 2008.
Auch Polen, das zwischen 2023 und 2025 mit durchschnittlich 107 Tonnen pro Jahr zu den großen offiziellen Goldkäufern zählte, setzt seine regelmäßigen Käufe fort. Bis Ende Juli hat das Land bereits 90 Tonnen hinzugekauft. Damit ist Polen auf Kurs, auch in diesem Jahr ein ähnlich hohes Niveau wie in den vergangenen Jahren zu erreichen.
US-Schuldenpolitik rückt Gold ins Rampenlicht
Ein weiterer Faktor, der stützend für den Goldpreis wirkt:Die wachsende Unsicherheit über die US-Finanzpolitik. Im Mittelpunkt stehen die von der US-Regierung angekündigten Rückkäufe eigener Staatsanleihen. Offiziell dienen diese sogenannten Treasury-Buybacks dazu, die Liquidität vor allem in länger laufenden Marktsegmenten zu verbessern. Am 19. August kündigte das US-Finanzministerium an, den Umfang bestimmter Rückkauf-Operationen ab September mindestens zu verdoppeln.
Kritiker interpretieren solche Maßnahmen allerdings zunehmend als Versuch, den Anleihemarkt zu stabilisieren und den Aufwärtsdruck bei den Renditen zu begrenzen. In diesem Zusammenhang fällt auch der Begriff der finanziellen Repression. Noch handelt es sich dabei jedoch um eine politische und ökonomische Interpretation – nicht um das erklärte Ziel des US-Finanzministeriums.
Sollten die Märkte eine solche Intervention als Zeichen fiskalischer Verzweiflung interpretieren, könnte dies die Realrenditen und den Dollar unter Druck setzen. Für Gold wäre ein solches Umfeld günstig. Denn das Edelmetall profitiert häufig von sinkenden Opportunitätskosten, einem schwächeren Dollar und wachsendem Misstrauen gegenüber der Stabilität staatlicher Finanzen.
Die jüngsten Entwicklungen am US-Anleihemarkt verstärken diese Diskussion. Die Bestände ausländischer offizieller Anleger sind rückläufig. Gleichzeitig hat das US-Finanzministerium seine Rückkauf-Aktivitäten ausgeweitet – ein Zusammenspiel, das die Debatte über die künftige Rolle von Staatsanleihen im internationalen Reserve- und Finanzsystem weiter befeuern dürfte.