Gold verzeichnete am Freitag vergangener Woche den stärksten Wochenverlust seit mehr als vier Monaten. Konkret bedeutet das: Der Preis sank um mehr als drei Prozent und fiel erstmals seit Mitte Juli wieder unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Inzwischen hat sich das Edelmetall zwar wieder darüber stabilisiert, auffällig ist der Rückgang dennoch: Denn zeitgleich gaben auch die Anleiherenditen nach – ein Umstand, der Gold als zinsloses Investment normalerweise begünstigt.
Ungünstiger Mix belastet Gold – kurzfristig
Dass Gold zwischenzeitlich so kräftig unter Druck gekommen ist, dürfte mit mehreren Entwicklungen zu erklären sein: Zum einen dürften nicht zuletzt erzwungene Verkäufe zu dem Preisrutsch beigetragen haben. Heißt: Einige Anleger könnten Goldpositionen liquidiert haben, um Verluste an den Aktienmärkten auszugleichen oder Liquiditäts- und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.
Hinzu kommt der anhaltend starke Dollar. In herausfordernden Zeiten wie derzeit etwa im Nahen Osten fließt Kapital nicht zwangsläufig in Gold. Die US-Währung profitiert von ihrer Rolle als Fluchtwährung. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar wertete der Greenback immerhin rund fünf Prozent gegenüber dem Euro auf. Ein stärkerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer und dämpft so die Nachfrage nach dem Edelmetall.
Misstrauen als Kurstreiber
Dennoch zeigen sich viele Profis zuversichtlich. Beim Precious Metals Symposium der Financial Times in London Mitte Oktober prognostizierten Fondsmanager und CEOs der Bergbauindustrie, dass Gold innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate neue Höchststände erreichen könnte.
Ihr Optimismus speist sich vor allem aus den angespannten Staatsfinanzen. Insbesondere die wachsende US-Verschuldung gilt als langfristiger Risikofaktor, der das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems belasten könnte. Je höher die Schulden steigen, desto größer werden die Zweifel, ob sich die Last dauerhaft ohne eine schleichende Entwertung des Geldes tragen lässt. Und auf dem alten Kontinent schüren aktuell insbesondere die Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen Zweifel an der langfristigen Stabilität des Euroraums. Gold profitiert von solchen Unsicherheiten, denn anders als Papiergeld lässt sich das Edelmetall nicht beliebig vermehren.
Notenbanken und private Anleger stützen den Kurs
Auch private Anleger entdecken zunehmend das Edelmetall. Im September verzeichneten goldgedeckte ETFs nach Angaben des World Gold Council weltweit Nettozuflüsse von zehn Milliarden US-Dollar. Damit endete ein Rekordquartal, in dem Anleger insgesamt 31 Milliarden Dollar in die Fonds investierten. Bemerkenswert: Trotz des Preisrückgangs von 8,5 Prozent im September hielten die Zuflüsse in sämtlichen Regionen an. Die weltweiten ETF-Bestände erhöhten sich dadurch um 67 Tonnen auf den historischen Höchststand von 4.256 Tonnen.
Rückhalt erhält Gold auch nach wie vor von den Notenbanken. Laut World Gold Council stockten die Währungshüter ihre Reserven im September netto um rund 63 Tonnen auf. Das war der höchste gemeldete Monatswert seit November 2024. Im August hatten sich die Nettokäufe auf 39 Tonnen belaufen. Ein besonders starkes Signal kam von der chinesischen Notenbank. Sie erhöhte ihre Goldreserven im September um 23 Tonnen – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023. Damit stockte die Notenbank ihre Bestände bereits den 23. Monat in Folge auf.
Ausverkauf als Wendepunkt?
Auch deutsche Privatanleger setzen auf das Edelmetall: Die Reisebank beziffert den Goldbesitz deutscher Haushalte auf 9.173 Tonnen. Das ist fast dreimal so viel, wie die Bundesbank besitzt – und entspricht 10,7 Prozent der privaten Goldinvestments weltweit. Gleichwohl wirken insbesondere die Käufe der Notenbanken eher strukturell und reichen nicht zwangsläufig aus, um kurzfristige Verkäufe großer Marktteilnehmer aufzufangen.
Für Anleger kommt es daher entscheidend darauf an, ob sie Gold als kurzfristigen Krisen-Trade oder zur langfristigen Vermögensabsicherung halten. Beides folgt unterschiedlichen Mechanismen und hat einen anderen Zeithorizont.
Vor diesem Hintergrund würde ein weiterer Rücksetzer – etwa ausgelöst durch den akuten Liquiditätsbedarf von Investoren – den langfristig positiven Ausblick nicht zwangsläufig infrage stellen. Vielmehr könnte er die Voraussetzung für eine tragfähige Bodenbildung ebnen. Rückenwind dafür liefert möglicherweise auch das inzwischen stark eingetrübte Sentiment: Seit dem Allzeithoch von knapp 5.600 Dollar je Feinunze Ende Januar ist die Stimmung im Goldsektor gekippt. Historische Daten von Sentiment Trader machen allerdings Mut: In den bislang acht Fällen, in denen die Stimmung ähnlich extrem negativ war, notierte der Goldpreis sowohl einen Monat als auch ein Jahr später jeweils höher.