Dollar-Comeback belastet
In der Folge haben sich die Wahrscheinlichkeiten für eine US-Zinserhöhung bis Ende dieses Jahres deutlich erhöht. Wurde noch vor wenigen Wochen praktisch keine Anpassung am Markt eingepreist, kalkuliert der Terminmarkt derzeit bereits einen Zinsschritt im September ein. Die erwartete straffere Geldpolitik der Federal Reserve stärkte zugleich den Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen: Der US-Dollar-Index stieg über die Widerstandsmarke von 100 Punkten und verzeichnete einen Ausbruch aus der Spanne von 96 bis 100, in der er sich im vergangenen Jahr bewegt hatte. Gegenüber dem Euro erreichte der Greenback zuletzt den höchsten Stand seit sieben Monaten.Der starke Dollar erweist sich für Silber als zusätzlicher Bremsklotz. Weil das Edelmetall in der US-Währung notiert, wird es für Investoren außerhalb des Dollar-Raums spürbar teurer. Hinzu kommen anhaltende Abflüsse aus Silber-ETFs: Seit Jahresbeginn wurden netto 79,1 Millionen Unzen abgezogen, die Bestände sanken damit um 9,2 Prozent.
Zwischen Korrektur und Knappheit
Ob nun ein guter Zeitpunkt ist, um sich von seinen Silberbeständen zu trennen, sollten sich Anleger aber wohl besser zweimal überlegen; vielmehr könnte es sich womöglich eher lohnen, die Korrektur für Käufe zu nutzen. Denn: Hinter dem schwächeren Silberpreis verbirgt sich ein weitaus widerstandsfähigerer physischer Markt, als die Notierungen vermuten lassen. Übergeordnet dürfte Silber von der weiterhin hohen Nachfrage aus der Industrie profitieren. Zwar reduzieren Solarhersteller den Silberanteil in ihren Modulen kontinuierlich, um Kosten zu sparen. Doch dieser Effekt wird zunehmend durch neue Wachstumstreiber kompensiert – allen voran von KI-Rechenzentren, der Automobilelektronik und dem Ausbau der Stromnetze.Eine entscheidende Rolle dürfte in diesem Zusammenhang vor allem China spielen. Mit der wirtschaftlichen Erholung im Reich der Mitte – das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal um fünf Prozent zu – könnte auch der Bedarf an Silber wieder spürbar steigen. Als einer der größten Produzenten und zugleich bedeutendsten Importeure des Metalls prägt China den Silbermarkt maßgeblich. Die starke Nachfrage aus Industrie, Solarwirtschaft sowie dem Geschäft mit Münzen und Barren unterstreicht die angespannte Marktlage in der Volksrepublik: An der Shanghai Futures Exchange wurde Silber zuletzt mit einem Aufschlag von mehr als zehn Prozent gegenüber dem internationalen Spotpreis gehandelt.